Plasma oder Corona Behandlung?

So finden Sie das richtige Verfahren für Ihre Anwendung

Eine der häufigsten Fragen rund um die elektrische Oberflächenbehandlung lautet: Plasma oder Corona? Was ist eigentlich der Unterschied, und welches Verfahren ist das richtige für meine Anwendung?

In diesem Ratgeber erklären wir, wie sich Plasma- und Coronabehandlung technisch unterscheiden, welche vier Verfahrensvarianten in der Praxis zum Einsatz kommen und zeigen anhand echter Beispiele, wann welches Verfahren wirklich passt.

Plasma- und Corona-Behandlung in der Elektronik­industrie

Was ist Coronabehandlung?

Bei der Coronabehandlung wird zwischen zwei Elektroden eine hohe elektrische Spannung angelegt. Diese Spannung reicht aus, um die Luft rund um die Elektrode elektrisch aufzuladen, also zu ionisieren. Dabei entsteht ein sichtbares, bläulich schimmerndes Entladungsfeld: die Corona.

Wird ein Werkstück durch dieses Feld geführt, verändern sich die Eigenschaften seiner Oberfläche: Die zuvor schwer benetzbare Struktur wird aufgebrochen und chemisch aktiviert. Das Ergebnis ist eine deutlich höhere Oberflächenenergie - und damit eine wesentlich bessere Haftung für Farben, Klebstoffe, Lacke oder Beschichtungen.

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PipeTEC Corona-Vorbehandlung für Mantelrohre

Was ist Plasmabehandlung?

Die Plasmabehandlung funktioniert nach einem ähnlichen Grundprinzip wie Corona, ist technisch jedoch aufwendiger. Während Corona mit der vorhandenen Umgebungsluft arbeitet, nutzt Plasma ein gezielt zugeführtes Prozessmedium - etwa gefilterte und getrocknete Druckluft oder ein definiertes Gas wie Argon, Stickstoff oder Helium.

Durch die hohe Spannung wird dieses Medium in einen besonderen Zustand versetzt: ein elektrisch aufgeladenes, hochenergetisches Gas, das die Oberfläche von Werkstücken aktiviert und sie damit haftfähig für nachfolgende Prozesse wie Bedrucken, Lackieren, Beschichten oder Verkleben macht. Anders als bei der Coronabehandlung wird die Oberfläche dabei zusätzlich auch gereinigt. Es werden feinste organische Rückstände zuverlässig entfernt.

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Plasma und Corona im direkten Vergleich

Merkmal
Coronabehandlung
Plasmabehandlung
Prozessmedium Umgebungsluft Definiertes Medium (Druckluft oder Gase wie Argon, Stickstoff, Helium)
Elektrisches Potential Vorhanden Generell potentialfrei
Funktion Behandelt Behandelt und reinigt

 

Video: Plasma & Corona erklärt

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Die vier Verfahren in der Praxis

Hinter den Sammelbegriffen „Plasma“ und „Corona“ stehen unterschiedliche technische Umsetzungen. In der industriellen Oberflächenvorbehandlung haben sich vier Verfahren etabliert - jedes mit eigenen Stärken und typischen Einsatzgebieten.

Niederfrequenz-Corona

Die Niederfrequenz-Corona ist das einfachere der beiden Corona-Verfahren. Zwei Elektroden mit entgegengesetzter Spannung stehen sich gegenüber, während Luft durch den Spalt zwischen ihnen strömt. Sobald die Spannung hoch genug ist, springt ein Lichtbogen zwischen den Elektroden über und ionisiert die durchströmende Luft.

Dieses ionisierte Luftfeld wird dann auf die Werkstückoberfläche geblasen und aktiviert sie. In der Industrie wird Niederfrequenz-Corona häufig als moderner Ersatz für Beflammungsanlagen eingesetzt. Typische Anwendungen sind die Behandlung von Profilen, Kabeln und Spritzgussteilen.

Plasma- und Corona-Behandlung in der Medizintechnik

Hochfrequenz-Corona

Die Hochfrequenz-Corona ist das präziseste und am besten kontrollierbare Verfahren unter den elektrischen Oberflächenbehandlungen. Hier sitzt eine Elektrode mit hoher Spannung direkt über dem zu behandelnden Teil, während sich darunter eine geerdete Gegenfläche befindet.

Zwischen beiden bildet sich ein dichtes Feld aus stark ionisierter Luft, das gezielt auf die Oberfläche wirkt und sie chemisch aktiviert. Der entscheidende Vorteil dieses Aufbaus: Die Form und Ausdehnung der Entladung lässt sich exakt steuern - ideal für Anwendungen, bei denen es auf Präzision und Prozess-Kontrolle ankommt.

NeedleTEC Corona-Behandlung von Nadelaufsätzen

Atmosphärendruck-Plasma

Beim Atmosphärendruck-Plasma findet die Behandlung bei normalem Umgebungsdruck statt. Das Plasma entsteht aber nicht einfach aus der vorhandenen Raumluft, sondern aus gezielt zugeführter, gefilterter Druckluft. Diese strömt an einer Hochspannungselektrode vorbei, wird dort ionisiert und als hochkonzentrierter Plasmastrahl auf das Bauteil gerichtet.

Das Ergebnis ist eine doppelte Wirkung: Die Oberfläche wird nicht nur aktiviert, sondern gleichzeitig auch von feinsten organischen Verunreinigungen befreit. Das Verfahren ist vielseitig einsetzbar - sowohl bei leitfähigen als auch bei nicht-leitfähigen Bauteilen. Die behandelte Fläche pro Düse ist klein und punktgenau, lässt sich aber durch rotierende Köpfe oder mehrere parallel angeordnete Düsen problemlos vergrößern. Am häufigsten kommt diese Technologie am Arm eines Roboters zum Einsatz, der das Plasma präzise über das Werkstück führt.

Vakuumplasma (Niederdruckplasma)

Vakuumplasma eignet sich besonders für die Behandlung größerer und komplexer Bauteile, die rundum gleichmäßig aktiviert werden sollen. Auch hier wird mit Hochspannung gearbeitet, allerdings nicht an der freien Luft, sondern in einer geschlossenen Vakuumkammer.

Der reduzierte Druck hat einen entscheidenden Vorteil: Schon mit vergleichsweise niedrigen Spannungen entsteht ein großflächiges Plasmafeld, das die gesamte Kammer ausfüllt. Dadurch wird das Bauteil von allen Seiten gleichzeitig erreicht - auch komplexe Geometrien und Hinterschneidungen, die mit punktuellen Verfahren schwer zugänglich wären.

Vakuumplasma liefert sehr kurze Behandlungszeiten und schafft optimale Haftungseigenschaften für nachfolgende Beschichtungs-, Klebe-, Lackier- und Druckanwendungen.

Plasma oder Corona? - Beispiele aus unserer Praxis

Wie sich die Wahl zwischen Plasma und Corona in der Realität gestaltet, lässt sich am besten an konkreten Anwendungen zeigen. Die folgenden Beispiele stammen direkt aus unserer Arbeit mit Industriekunden und verdeutlichen, warum sich für die jeweilige Aufgabe ein bestimmtes Verfahren als die optimale Lösung herausgestellt hat.

Fluorpolymere: PTFE, FEP, PFA, ETFE

Fluorpolymere zählen zu den am schwierigsten zu aktivierenden Kunststoffen überhaupt. Ihre extrem niedrige Oberflächenenergie macht sie nahezu reaktionsträge gegenüber den meisten Vorbehandlungsverfahren. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich Materialien wie PTFE, FEP, PFA oder ETFE mit Corona am effizientesten aktivieren lassen. Kabel, Membranen und Dichtungen aus diesen Werkstoffen werden daher fast ausschließlich auf diese Weise vorbehandelt.

Petrischalen, Well-Platten & Zellkultur-Flaschen

Bei medizinischen Kunststoffteilen wie Petrischalen, Well-Platten und Zellkultur-Flaschen (häufig aus Polystyrol gefertigt) sind eine lückenlose Prozessüberwachung, die exakte Anpassung an Konturen und eine langlebige Oberflächenaktivierung entscheidend. Technisch ließe sich diese Aufgabe sowohl mit Niederdruckplasma als auch mit Corona umsetzen. Da in der medizinischen Produktion besonders hohe Anforderungen an die Prozessgeschwindigkeit gestellt werden, hat sich Corona als die wirtschaftlich überlegene Lösung etabliert.

Stomabeutel und empfindliche Folien

Die Herstellung von Stomabeuteln stellt besondere Anforderungen an die Vorbehandlung. Empfindliche Folien aus unterschiedlichen Materialien müssen automatisiert und in hoher Taktung partiell aktiviert werden - mit exakt definierten Konturen und einem extrem niedrigen Wärmeeintrag, da die Folien temperaturempfindlich sind und bestimmte Bereiche für spätere Schweißprozesse unbehandelt bleiben müssen. Für diese Aufgabe haben sich konturgefertigte Corona-Elektroden aus poliertem Edelstahl als beste Lösung erwiesen.

Interieur-Teile für Autos

Im Automotive-Bereich bestehen Interieur-Teile häufig aus gespritzten Kunststoffen, oft aus Polypropylen mit Füllstoffen. Damit sie sicher mit Leder oder Folien kaschiert oder verklebt werden können, ist eine Oberflächenbehandlung erforderlich. Die Anforderungen sind anspruchsvoll: komplexe 3D-Konturen, hohe Variantenvielfalt und hohe Qualitätsstandards. Für dieses Profil hat sich Niederdruckplasma (Vakuumplasma) bei Zulieferern durchgesetzt.

Brillengläser und Sicherheitsbrillen

Brillengläser und Sicherheitsbrillen werden weltweit in großen Stückzahlen für nachfolgende Beschichtungen wie UV-Schutz vorbereitet. Bei Hochgeschwindigkeitsanwendungen mit hohem Durchsatz lassen sich Brillen besonders effizient mit DBD-Corona aktivieren. Der Einsatz rotierender Elektroden, Spannungen bis 40.000 Volt und schnelle Fließbänder ermöglichen dabei eine absolut gleichmäßige Benetzbarkeit. Bei geringeren Stückzahlen ist auch Niederdruckplasma eine sehr gute Lösung.

Großflächige Kunststoffplatten

Bei großflächigen Kunststoffplatten aus PVC, PP oder Teflon, die für sichere Verklebungen oder Drucke vorbereitet werden müssen, hat sich DBD-Corona als die effizienteste und wirtschaftlichste Lösung etabliert. Selbst schwierige Kunststoffe lassen sich beidseitig und bis über den Rand hinaus gleichmäßig aktivieren, ohne dass zusätzliche Prozessgase benötigt werden. Wie skalierbar das Verfahren ist, zeigt ein Projekt aus unserer Arbeit: Selbst 6 Meter breite Kunstrasen-Bahnen für Fußballfelder werden vor dem Kaschieren und Bedrucken mit DBD-Corona vorbehandelt.

PlasmaTEC-X UR Universal Robot+ für Plasma-Behandlung

Wir finden das passende Verfahren für Ihr Bauteil

Wie unsere Beispiele zeigen, lässt sich die Frage "Plasma oder Corona?" nicht ein für alle Mal beantworten. Beide Verfahren haben ihre Stärken, beide haben ihre Grenzen - und welche Lösung am Ende die richtige ist, hängt immer vom konkreten Bauteil, den Anforderungen an Qualität, Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit sowie vielen weiteren Faktoren ab. Eine fundierte Entscheidung setzt deshalb voraus, dass man die Verfahren nicht nur kennt, sondern sie auch direkt am eigenen Produkt vergleichen kann. Genau hier setzt unsere Arbeit an: Wir beraten Sie individuell zu Ihrer Anwendung, sehen uns Ihre Bauteile an, führen Machbarkeitstests mit unterschiedlichen Verfahren durch und finden so die Lösung, die für Ihren Prozess technisch und wirtschaftlich am sinnvollsten ist.

Der entscheidende Unterschied zu Anbietern, die nur ein einzelnes Verfahren im Portfolio haben: Bei Tantec erhalten Sie alle vier Technologien aus einer Hand - Niederfrequenz-Corona, Hochfrequenz-Corona, Atmosphärendruck-Plasma und Vakuumplasma. Wir sind also nicht darauf angewiesen, Ihnen "unsere" Technologie zu empfehlen, sondern können offen und ehrlich vergleichen - mit dem Ziel, das Verfahren zu finden, das wirklich am besten zu Ihrem Bauteil passt.

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Häufige Fragen zu Plasma und Corona

Corona ist eigentlich eine Form von Plasma - und eine der einfachsten Möglichkeiten, es zu erzeugen. In der industriellen Praxis werden Plasma und Corona dennoch klar unterschieden, weil sich Aufbau, Energieeintrag und Anwendungsbereiche der jeweiligen Verfahren unterscheiden.

Coronabehandlung findet an der Umgebungsluft statt und weist bei der Entladung ein elektrisches Potential auf. Plasmabehandlung arbeitet mit einem definierten Prozessmedium wie Druckluft oder Prozessgasen (Argon, Stickstoff, Helium) und ist generell potentialfrei. Plasma kann Oberflächen zudem nicht nur behandeln, sondern auch reinigen.

In der industriellen Oberflächenvorbehandlung sind vier Verfahren etabliert: Niederfrequenz-Corona, Hochfrequenz-Corona, Atmosphärendruck-Plasma und Vakuumplasma. Jedes hat eigene Vorteile und Einsatzgebiete.

DBD steht für Dielectric Barrier Discharge (dielektrische Barriereentladung). In der Branche wird der Begriff oft synonym mit Hochfrequenz-Corona verwendet.

Atmosphärendruck-Plasma arbeitet zwar bei normalem Umgebungsdruck (also außerhalb einer Vakuumkammer), nutzt aber nicht die Umgebungsluft, sondern gezielt zugeführte Druckluft als Prozessmedium. Das ist ein wichtiger Unterschied zur Coronabehandlung, die die unaufbereitete Umgebungsluft ionisiert.

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Werkstoff, Leitfähigkeit, Stückzahl, Konturen, Geschwindigkeit, Wärmeempfindlichkeit, Automatisierungsgrad und Absaugung - all diese Faktoren beeinflussen die Entscheidung. Am sichersten ist ein objektiver Vergleich anhand des konkreten Substrats, idealerweise in einem Machbarkeitstest.

Autor: Hans Christian Madsen, Geschäftsführer · Veröffentlicht am 14.07.2026 · Zuletzt aktualisiert am 30.07.2026

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